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Dienstag, 10. März 2015

10.03.2015: "Eigentlicht"

Sie sitzt am Laptop. Liedtexte aus dem Internet suchen und sehbehindertengerecht formatieren. Zwischendrin mal aufstehen und eine neue Tablette einwerfen. Sie hebt den Ärmel ihrer Jacke zum Gesicht. Der Geruch hüllt sie ein, sie schließt die Augen. Es ist nicht ihre Jacke. Am Morgen lag sie im Wohnzimmer der WG auf einem Stuhl und sie hat sie angezogen, einfach so.

Der Geruch ist nicht fremd. Nicht besonders gut oder anziehend. Einfach nur anders. Beruhigend, eine Ablenkung.
Eigentlich sollte sie nicht so dasitzen. Mit der Jacke eines anderen. Seinen Duft einatmen und dabei die Augen schließen.
Eigentlich sollte sie nicht ständig an ihn denken müssen. Schon allein, weil er nicht mal im geringsten ihr Typ ist. Und dazu auch noch einige Jahre älter. Eigentlich.
Doch sie tut es. Aus dem einfachen Grund, weil er da ist. Er ist da, hört ihr zu und bringt sie zum lachen. Lenkt sie ab.

Er lässt sie nicht allein mit ihren Problemen und Sorgen. Ist immer zur Stelle. Streichelt ihren Rücken  und spielt so lange mit ihren Haaren bis sie schläft. Eben nicht so wie er, von dem sie das alles eigentlich sich wünscht. Er, der schon viel zu lange viel zu weit weg ist und zu dem ihr Herz gehört. Unerwidert und ignoriert.

Er, dessen Jacke sie eigentlich tragen sollte. Dessen Duft sie eigentlich mit geschlossenen Augen und einem Lächeln auf den Lippen gierig einsaugen sollte. Er, der für sie da sein sollte. Er, an den sie eigentlich voller Freunde denken sollte und nicht voller Angst vor dem was kommt. Er, der eigentlich der richtige für sie ist. Eigentlich.

Freitag, 19. Dezember 2014

19.12.2014: Das Jahrmarkt-Gefühl

Ein Haufen kleiner bunter Scherben ist alles was über bliebe, wenn man ein Kaleidoskop auseinander nehmen würde, man müsste es nicht einmal zerschlagen, sondern nur vorsichtig öffnen. Das ist nichts neues und daher keine erschütternde Erkenntnis, aber ist es nicht ein schönes Sinnbild? -Das augenscheinlich Wundervolle, Das Schöne das Makellose ist nur ein müder Trick bauend auf ein paar Glasscherben und leicht begeisterungsfähigen Menschen. Ist das Kaleidoskop nicht vielleicht ein Sinnbild für ein Gefühl, dessen Namen ich nicht kenne.. Das Gefühl von Verliebtheit nur der Verliebtheit wegen. Gibt es solch ein Gefühl, solch eine verarsche unserer Empfindung? Ich denke ja, zum Beispiel, wenn man ohne besondere Aussichten im Nieselregen steht, auf den Bus wartet, die eigenen Gedanken schweifen lässt und mich Regen tänzeln lässt und so gerne etwas bestimmtes, etwas was einen ausfüllendes Gefühl geben würde. Ein Gefühl wie ein Jahrmarktbesuch. Ein leichtes Kribbeln im Bauch durch das Kettenkarussell, welches sich immer zu schnell, aber doch nie schnell genug dreht. Das Gefühl, wie in der hoch schnellenden Gondel jegliche Bodenhaftung zu verlieren. Geblendet durch das viele Geglitzer und die Neonlichter hat man den Eindruck in einer anderen Welt zu stecken. Das Gekicher anderer fremder Menschen, die dröhnige Stimme des Autoscooterbetreibers, quietschende Kinder verwirren die eigene Wahrnehmung und lassen das eigene Lächeln zu einem adrenalingepushten Dauergrinsen erstärken... - Wenn all diese Empfindungen einen außerhalb eines Jahrmarktes beschleichen, dann ist dies klar zu benennen: Verliebtheit.
Wunderschön wie die Bilder des Kaleidoskops, allerdings nicht von vielen Scherben erzeugt, sondern von Menschenhand gemacht; von dem Menschen dem dein Herz gehört.
Doch was ist, wenn man diese Verliebtheit wie ein Kaleidoskop auseinander nimmt? Führt das nicht zu schrecklichen Enttäuschungen ähnlich wie bei unserem Kaleidoskop? Führt es nicht zu Fällen, in denen die Verliebtheit vielmehr ein Produkt der Einsamkeit und Sehnsucht ist? Der Sehnsucht nach einem schönem "Jahrmarkt"-Gefühl das einem überkommt, wenn man auf seinen Bus wartet, aber niemand auf einen. Es sind dann Fälle in denen Menschen meinen schwer verliebt zu sein, sich in Wirklichkeit aber bloß nach dem Kick des Jahrmarktes sehnen und den Wunsch danach auf die naheliegendste projizieren. Und ist das nicht der Moment, in dem viele, als Projektionsfläche der Emotionen wahrhaft verliebte Herzen brechen? - in viele kleine bunte Scherben..
 

Sonntag, 9. November 2014

Freitag: 07.11.2014

Es ist mitten in der Nacht. Ich kann nicht schlafen. Einsam sitze ich auf dem Balkon meiner Eltern und blicke ins weite Dunkel, das sich über die Felder legt , als ob sie sich unter einer Decke verstecken wollen. Auf der Straße ist nicht viel zu sehen. Es ist kalt. Ich zittere. Der Zigarettenqualm der meine Lungen füllt ist eigentlich nur eklig. Ich wollte mit dem Rauchen aufhören, aber zuletzt wurden es einfach nur noch mehr. Gerade jetzt kann ich nicht anders, obwohl es mich irgendwie ekelt.

Was für eine langweilige Gegend hier, denke ich mir. Eine Neubausiedlung. Irgendwie genauso trist wie alles zurzeit in meinem Leben. Die paar Autos, die ich höre, fahren alle ihren Weg, ohne sich zu interessieren wohin die anderen wollen oder warum. Die Häuser gehören zwar von außen her zusammen, aber doch steht jedes für sich alleine da.

Mal bin ich weit weg von allem, dann bin ich allem hier wieder so nah. Ein ständiges hin und her, die ganze Situation macht auch meinem Körper zu schaffen. Die ganze Nacht bin ich am husten und jedes mal habe ich das Gefühl, dass sich ein kleines Stück meiner Lunge ablöst. Aber was macht das schon aus. Mein Herz ist eh schon zerstört, also was macht da schon noch die Lunge aus.

Ich sehe jemanden einsam die Straße entlanglaufen und frage mich was er wohl tut. Ob er genauso einsam ist. Ob er von einer Party kommt? Hatte er einen schönen Freitagabend? Aber wenn ich ehrlich bin interessiert es mich gar nicht. Ich will es gar nicht wissen. Ich kriege es kaum hin meine eigenen Gedanken zu ordnen, also werde ich auch nicht versuchen darüber nachzudenken was fremde grade denken.

Ich kann nur an die eine Person denken.

Ob sie wohl ruhig schlafen kann? - Wahrscheinlich!

Ob sie sich einsam fühlt? - Bestimmt nicht!

Hilflos und einsam lege ich mich wieder in mein Bett, denn bald geht die Sonne auf und das will ich nicht wach erleben. Die Erinnerungen wären quälend. Genauso wie die damit verbundenen Wunschvorstellungen

Wie die Felder im Dunkeln, verstecke ich mich wieder unter meiner Decke. 

Allein.